7. Hofheimer Frühjahrsopen 2019

Fotos und Berichte


2. Tag des Frühjahrsopens 2019

Harte Kämpfe um ganze Punkte

Zur Morgenrunde am zweiten Tag sind die Teilnehmer noch (oder wieder) fit. Im A- und C-Turnier setzen sich ganz überwiegend die höher eingestuften Spieler durch, im B-Turnier gibt es in paar mehr „Unfälle“. Einige Partien werden bis zum Ablauf der fünften Stunde ausgekämpft.

GM Maxim Turow muss nach seinem Auftaktremis jetzt durchziehen und Gerardo Artola Pola macht ihm keine Schwierigkeiten. Die Partie dauert nur 16 Züge:

1.e4 c5 2.g3 d5 3.exd5 Dxd5 4.Sf3 Lg4 5.Le2 Traurige Notwendigkeit, wo dieser Läufer doch eigentlich nach g2 wollte. 5...Sc6 6.h3 Lf5 7.Sc3 Dd7 8.g4 Lg6 9.d3 f6 Schwarz baut sich das große Zentrum. 10.Le3 e5 11.Dd2 Sd4 12.0-0-0 0-0-0 13.Sh4 Lf7 Schwarz hat großen Raumvorteil. Der Versuch des Weißen, dagegen zu halten, geht nach hinten los:

7. Hofheimer Frühjahrsopen 14.f4? exf4 15.Lxf4 g5 Diese Bauerngabel muss Weiß übersehen haben. 16.Lxg5 fxg5 0-1













Aber auch GM Vladimir Epishin gibt sich keine Blöße und gewinnt mit seinem nur scheinbar anspruchslosen Stil sicher gegen FM Tom E. Wiley.

An Brett 2 kämpft FM Jonas Hacker ehrgeizig und lange um den ganzen Punkt. Am Ende unterläuft Samuel Weber der entscheidende Fehler:

7. Hofheimer Frühjahrsopen Schwarz steht am Königsflügel deutlich besser, aber am Damenflügel befinden sich seine Bauern auf der falschen Farbe. Zwölf Züge später:

7. Hofheimer Frühjahrsopen 42...c5 Nachdem er sich zurechtgestellt hat, wird Jonas am Damenflügel aktiv. 43.b5 axb5 44.Lxb5 Tc7 (nicht 44...Sxh3? 45.Ld7!) 45.Td8+ Ka7 46.Lf1 c4 47.Td6 Tc5 48.Tf6? Es war besser, mit 48.Kd2 den Bc3 zu decken. Txa5 49.Lxc4 Tc5 50.Lxf7 Txc3+ 51.Kd2 Td3+ Warum nicht gleich Txf3? Schwarz leidet an seiner Zeitnot. 52.Ke1 Txf3 53.Tf5

7. Hofheimer Frühjahrsopen g4? Nach 53...Txh3 54.Txg5 h4 ist der h-Bauer eine Macht. 54.Lxh5 Sg2+ 55.Kd2 Txf5 Schwarz beweist Mut und Siegeswillen. 56.exf5 gxh3 57.Lf2 Sh4 58.Le4 h2 59.f6 Sg6 60.f7 Sf8

7. Hofheimer Frühjahrsopen Mittlerweile ist der langbeinige Läufer dem kurzschrittigen Springer klar überlegen. Samuel sollte keine Schwierigkeiten haben, beide schwarzen Freibauern unter Kontrolle zu behalten. 61.Kc3 b5 62.Kb4 Kb6 63.Ld5 Sh7 64.Le4 Sf8 65.Ld5 Remis? Sd7 Nein! 66.Le4 Kc7 Jonas gibt einen seiner Freibauern auf, um seinen Springer zu befreien. 67.Kxb5 Kd6 68.Kc4 Ke7 69.Lh1 Kxf7 70.Kd5 Kf6 71.Ke4 Kg5 72.Kf3 Sf6 73.Kg2 Sg4 74.f3?! Im Nachhinein lässt es sich leicht sagen, dass es einfacher war, mit 74.Kg3 den eigenen Läufer nicht zu verstellen Se3+ 75.Kg3 Sf5+ 76.Kxh2 Kf4

7. Hofheimer Frühjahrsopen

77.Kg2? Ke3? Gibt ihm noch eine Chance… 78.Kh3 Kf4 79.Kg2? …die nicht genutzt wird! Alles andere hält Remis. Sg3! Nun werden die Leichtfiguren getauscht und Jonas gewinnt das Bauernendspiel. Sein langer Kampf wurde belohnt! 0-1










Nach fünf Stunden sind alle Partien beendet und auch die letzten Spieler haben Pause bis 16:00 Uhr. Dann starten sie (nicht mehr ganz so frisch) in die dritte Runde.

GM Maxim Turow ist weiterhin darauf aus, seinen halben Punkt Rückstand auf die Spitze aufzuholen. Volker Bub bemerkt zu spät, dass die Fesselung, auf die er sich einlässt, ihn einen Bauern kosten wird. Sein Versuch mit einem Qualitätsopfer verkürzt nur das Leiden. Aber auch GM Vladimir Epishin gibt sich keine Blöße. Er sammelt geduldig kleine positionelle Vorteile und wickelt dann in ein vorteilhaftes Läuferendspiel ab, das Elijah Everett nicht halten kann.

7. Hofheimer Frühjahrsopen Eine interessante Eröffnungsvariante zeigen die Spieler an Brett 11: 1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Dxd5 4.Sf3 Sc6 5.Sa3 Lf5 6.Lc4 De4+

7.Kf1!? Dieser Versuch von Thorsten Schmitz, die exponierte Stellung der schwarzen Dame auszunutzen, ohne seinen entwickelten Läufer zurückzuziehen, trägt Früchte. 7…e6?! Verständlicherweise möchte Sanjeev Nair den Bf7 schützen, aber nun geraten seine Dame und Läufer ins Gedränge. Der Computer bewahrt mit dem nicht so intuitiven 7…Le6 den Ausgleich. 8.d4 Dg4 9.h3 Dh5 10.Th2!? Einer von zwei Wegen, den Turm zu decken und g2-g4 zu drohen. 10.Ke2! sieht riskanter aus, gefällt dem Computer aber noch besser. 10…0-0-0 Schwarz kann den Figurenverlust nicht vermeiden, da der Läufer und die Dame nicht beide auf g6 Platz nehmen können. 11.g4 Lxd3+

7. Hofheimer Frühjahrsopen 12.Dxd3? Danach behält Schwarz recht! Bei dem viel besseren 12.Lxd3! musste Weiß aber vorhersehen, dass nach 12…Dd5 13.Se1 c4 14.Sxc4 Dxc4 der Multifunktionszug 15.Lg5! nicht nur den schwarzen Turm angreift, sondern auch die weiße Dame deckt (durch den Ta1) und damit Lxc4 möglich macht. Weiß gewinnt eine Qualität. In der Partie hatte Schwarz nach 12…Txd3 13.gxh5 Txf3 stattdessen einen Bauern mehr. Weiß wehrte sich mit aktivem Spiel und gewann den Bauern zurück. Später wich Schwarz einem Remis durch Stellungswiederholung aus und verlor dann gar noch im Endspiel.
(Arno Zude)