7. Hofheimer Frühjahrsopen 2019

Fotos und Berichte


1. Tag des Frühjahrsopens 2019

Favoritenstürze

Bei sonnigem, aber nicht zu warmem Wetter beginnt die siebte Auflage des Hofheimer Frühjahrsopens. Zum ersten Mal haben sich in den A- und B-Open mehr Teilnehmer angemeldet als die Halle Platz hergibt, aber dann bleiben doch wieder so viele weg, dass auch kurz Entschlossene noch teilnehmen können. Die Teilnehmerlisten werden sorgfältig geprüft, die Paarungslisten erstellt und ausgehängt, die 13 Spielerinnen und 148 Spieler finden ihre Bretter, die Organisatoren und Schiedsrichter eröffnen das Turnier, und dann kann es nur wenig verspätet losgehen!

Dieses Jahr ist das A-Turnier in der Spitze weniger stark besetzt als in den beiden Vorjahren — unter den Titelträgern finden sich zwei Großmeister, drei internationale Meister und sieben FIDE-Meister — was für die anderen Spieler die Chancen auf einen der ausgelobten Preise erhöht. Dazu müssen die jeweiligen Favoriten in den ersten Runden sich aber auch erstmal an den Brettern durchsetzen, was nicht so einfach ist und nicht immer gelingt.

7. Hofheimer Frühjahrsopen Nicht durchsetzen konnte sich zum Beispiel GM Maxim Turov an Brett 1. Die Stellung nach dem 20. Zug verrät die Überreste einer Damengambit-Abtauschvariante, in der sich Schwarz auf den vereinzelten Doppelbauern auf der f-Linie einließ. Weiß steht etwas besser und hat noch einige Möglichkeiten, mit den Figuren und Spiel auf beiden Flügeln zu versuchen, den Schwarzen in Schwierigkeiten zu bringen.

Aber Wladislaw Galkin verteidigt sich zäh: 21.Sxh5 Txg1 22.Txg1 Th8 23.Sf4 Kf7 Deckt das Einbruchsfeld g7. 24.h5 Sg5 25.h4 Se6 26.Sxe6 Kxe6 27.Tg7 Weiß hat die siebte Reihe besetzt, aber dazu musste er den Springer tauschen, der seinen Mehrbauern auf der h-Linie deckte. 27…b5 28.Kf3 Er möchte wenigstens seinen zweiten h-Bauern behalten. 28…a5 29.b3 Txh5 30.Kg3 Th8 31.a4 bxa4 32.bxa4 f4+! Bringt Unordnung in die weißen Reihen. Soll er seine Zentralbauern schwächen oder doch den h-Bauern hergeben? 33.Kxf4 Txh4+ 34.Kg3 Te4 35.Tc7 Kd6 36.Ta7 f5 37.Txa5 f4+ Erneut dieser Hebel! Schwarz tauscht einen weiteren Bauern. 38.exf4 Txd4 39.Ta8 c5 40.a5 Ta4 Turm hinter den gegnerischen Freibauern! 41.a6 c4 42.Kf3 c3 43.Ke3

7. Hofheimer Frühjahrsopen Tc4! Turm hinter den eigenen Freibauern! Die Drohung, nach c2-c1D mit Schach einzuziehen ist sehr stark, selbst wenn sich Weiß in der Zwischenzeit eine eigene Dame (ohne Schach) holt. Hat der Großmeister mit seinen Gewinnversuchen überzogen? 44.Td8+ Ke7 45.a7 c2 46.Te8+! Nein, dieser Trick bewahrt ihn vor einer Niederlage! 46…Kf7 47.Tf8+ Kg7 48.Tg8+ Kxg8 remis. Wenn der Schwarze den Schachs zu entkommen versucht, wird Da6+ gefolgt von Dxc4 nebst Kd2 dem Weißen das Remis sichern.









7. Hofheimer Frühjahrsopen Hoch her ging es an Brett 13. In einem Najdorf-Sizilianer hatte Volker Bub mit g7-g5 das Feld e5 für seinen Springer freigeräumt und stand bereit, seinen geopferten Bauern zurückzunehmen.

Der Versuch von Dirk Norbert Jansen, den Bauern mit 16.Tg3? zu halten, ging nach hinten los: 16…Sg6! Der prekär stehende Lh4 kann weder weglaufen noch effektiv gedeckt werden. Weiß funktioniert den zwangsläufigen Figurenverlust zu einem Figurenopfer um: 17.Tf1 Sxh4 18.Dh5 Sg6 19.gxh6 Dc5 Mit Doppelangriff auf h5 und d4. Was nun? Der weiße Gegenangriff scheint am Ende. 20.Sd5! exd5 21.Txf7! Dxd4 22.Dxg6 Kd8 Weiß hat mittlerweile zwei Figuren weniger, aber der schwarze König steht noch nicht sicher, der vorgerückte Freibauer ist gefährlich und Schwarz muss sich erst noch entwickeln. 23.h7 Ld7


7. Hofheimer Frühjahrsopen 24.exd5? So weit hat Weiß das Beste aus seinem Figurenverlust/-opfer gemacht, aber hier greift er bei knapp gewordener Zeit fehl. Das kontraintuitive 24.Dg7! wäre stark gewesen: Auch nach Damentausch würde Schwarz nicht umhin können, einen ganzen Turm für den starken h-Bauern zu geben, wonach die beiden Türme auf der siebten Reihe Weiß großen Vorteil sicherten. Schwarz täte besser daran, sich mit 24…Dg1+ 25.Kd2 Txh7! 26.Dxh7 und nun zum Beispiel 26…Le8 27.Txe7 Df2+ 28.Kd1 Df1+ ins Dauerschach zu retten. Die gespielte Partie ging nach 24.exd5? mit 24…De5 25.Tf1 Le8 26.Dg8 Txh7! 27.Dg4 Tf7 28.Td1 Tc8 29.Tb3 Tf2 0-1 zu Ende.






7. Hofheimer Frühjahrsopen An vielen anderen Brettern wurde ebenfalls gefällig kombiniert. Hier ein Beispiel aus dem C-Turnier:

Hier lockte Michael Czinkota den Weißen mit 11…Sg4+ aus der Reserve. Der Springer kann nicht genommen werden, denn 12.hxg4? Dh4+ 13.Lh3 Lxg4 wäre tödlich für Weiß. Mit 12.Kh1 zurückzugehen würde nach 12…Sf2+ eine Qualität verlieren. Also vorwärts: 12.Kg3 Sf6 Der schwarze Springer muss zurück, auch um das Feld d5 zu überdecken. 13.f5? Verständlich, dass der an Nummer 2 gesetzte Christian Bär sich nicht so leicht mit der Zugwiederholung 13.Kh2 Sg4+ zufriedengeben möchte, aber dann wäre 13.d4 besser gewesen. In der Partie geriet der weiße König ins Gedränge: 13…De5+ 14.Lf4 Sh5+ 15.Kf3



7. Hofheimer Frühjahrsopen Sd4+! Das überfordert die Deckungskünste des weißen Se2. Etwa nach 16.Sxd4 Dxf4+ 17.Ke2 Sg3+ 18.Ke1 Sxf1 behält Schwarz einen ganzen Turm mehr. Stattdessen folgte 16.Kg4 Sxf4 17. Sxd4 (17.Sxf4 g6 rettet den weißen König auch nicht) Sxg2 18.Df3 Lxd4 19.Dxg2 und nachdem sich der Rauch verzog, hatte Schwarz eine Figur mehr und gewann schnell.

Im Nachhinein mag man aus dem ungleichmäßigen Abschneiden der Favoriten Vorzeichen für den Turnierausgang herauslesen. Aber das Turnier ist noch lang, neuen Runden in fünf Tagen sind ein hartes Programm, und aus der Sicht nach der ersten Runde ist noch alles offen!
(Arno Zude)